
Europa, Kolonialismus und die Sklaverei
EIZ Rostock
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„Schwerstes Verbrechen gegen Menschlichkeit“
So bezeichnet die UN-Generalversammlung in einer neuen Resolution die jahrhundertelange Versklavung von Afrikanerinnen und Afrikanern. Grund dafür ist sind die Ausmaße der Sklaverei, welche bis heute die Weltordnung und Gesellschaften prägt. Der Sklavenhandel ist eng verbunden mit dem europäischen Kolonialismus, weshalb immer mehr Stimmen laut werden um Verantwortungsübernahme der europäischen Staaten zu fordern.
Was ist der Kolonialismus?
Kolonialismus ist die politische und wirtschaftliche Kontrolle eines Gebietes durch eine fremde Macht, oft über große Entfernung hinweg. Besonders in Afrika, Asien und Amerika haben sich europäische Staaten wie Groß Britannien, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, die Niederlande, Belgien, Dänemark, Schweden und Deutschland zwischen dem 15. Und 20. Jahrhundert ausgebreitet und Kolonien errichtet. Ziel war die Ausbeutung von Rohstoffen, die Errichtung von Handelsrouten und die Ausweitung von politischer Macht. Die indigene Bevölkerung wurde dabei unterdrückt, entrechtet und beraubt. Kolonialismus ging immer mit Gewalt einher, Zwangsarbeit und Unterdrückung wurden gewaltsam durchgesetzt, Aufstände niedergeschlagen und Gebiete im krieg erobert. Der Kolonialismus prägt die Machtverteilung in der Welt über Jahrhunderte hinweg bis heute.

Wie beeinflusst Kolonialismus uns heute?
Sowohl in ehemaligen Kolonialstaaten, als auch in den ehemaligen Kolonien, ist die Kolonialzeit bis heute spürbar. Viele Afrikanische Staatsgrenzen stammen aus der Zeit des Kolonialismus, wobei sie willkürlich von Kolonialherren bestimmt wurden, diese willkürlichen Grenzen sind heute oft Krisengebiete in denen es immer wieder zu Konflikten kommt. Auch die wirtschaftliche Ungleichheit zwischen Ländern des globalen Nordens und des Südens sind auf die abgrundtiefen Ausbeutungen der Kolonialzeit zurückzuführen. Der Kolonialismus prägt nicht nur die Umwelt bis heute, sondern auch das Denken. Vorstellungen darüber was „zivilisiert“ oder „entwickelt“ ist, sowie Debatten über Migration und Vielfalt sind von dem rassistischen System der Kolonialzeit maßgebend beeinflusst.
Was ist Sklaverei?
Der transatlantische Sklavenhandel war ein System, in dem Sklaventreiber Millionen von Menschen aus Afrika gewaltsam nach Amerika und in die Karibik als Zwangsarbeiter verschleppten. Schätzungen nach wurden zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert über 12 Millionen Menschen aus Afrika versklavt. Der Prozess der Sklaverei war von Anfang bis Ende von Gewalt durchdrungen. Die Menschen wurden gewaltvoll eingesperrt und während der Überfahrt herrschten unmenschliche Bedingungen, weshalb Viele schon auf den Schiffen starben. Die Überlebenden wurden dann in den amerikanischen Kolonien durch Gewalt zur Arbeit für die Kolonialherren gezwungen. Die Sklaverei war entmenschlichend, gnadenlos und freiheitsberaubend. Für die Sklaventreiber und die Kolonialmächte dahinter war sie allerdings entscheidend für das wirtschaftliche Wachstum.

Welche Rolle spielte Europa im Sklavenhandel?
Europa war die treibende Kraft hinter dem Sklavenhandel. Europäische Siedler organisierten den Transport in den Kolonien, finanzierten die Unternehmungen und profitierten anschließend am meisten davon. Britische, französische, portugiesische, spanische und niederländische Häfen waren zentral im Menschenhandel. Hier wurden europäische Güter gegen die Menschen eingetauscht, die dann in die amerikanischen Kolonien verschleppt und dort verkauft wurden. Dieses System nennt man Dreieckshandel. Von den Gewinnen dieses Systems finanzierte sich Europa seine wirtschaftliche Entwicklung, während sie in Afrika tiefe soziale und finanzielle Einschnitte hinterließen.

Welche Aufarbeitung verlangen Aktivist:innen?
Eine Hauptforderung ist die umfassende Aufarbeitung des Kolonialismus. Damit sind Anerkennung des Unrechts, klare Benennung der Verantwortung, finanzielle Entschädigungen und die Rückgabe von kolonialem Raubgut gemeint. Symbolische Gesten wie Entschuldigungen sind angebracht, aber nicht genug um den bis heute bestehenden Schaden auszugleichen den die Kolonialzeit hinterlassen hat. Dabei ist auch der Kampf gegen den strukturellen Rassismus entscheidend.
Was macht die EU für die Aufarbeitung?
Die Europäische Union hat angefangen sich mit ihrer kolonialen Vergangenheit mehr zu beschäftigen. Durch politische Erklärungen, Förderprogramme, kulturelle Projekte und Forschung betont sie zunehmend die Bedeutung von Aufarbeitung. Im Bereich Entwicklung und Partnerschaft möchte die EU ihre Verbindungen nach Afrika stärken. Dennoch wird von aktivistischen gruppen immer wieder hervorgehoben, dass die Maßnahmen noch nicht ausreichen, die EU befindet sich bei diesem Thema immer noch stark im Wandel. Die Debatten um die europäische Aufarbeitung des Kolonialismus gewinnt jedoch zunehmend an Bedeutung.
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