EIZ Rostock
Beitrag anhören 6:17 Min
Mit dem Beginn der dänischen Ratspräsidentschaft am 01. Juli 2025 rückt ein kleines Land in den Fokus von Europa. Dänemark ist bekannt für bunte Häuser, Fahrräder und das Wort hygge. Doch das Königreich im Norden hat mit seiner Mischung aus Pragmatismus, Innovationsfreude und Tradition weit mehr zu bieten.
In diesem Beitrag machen wir eine Reise durch Dänemark – jenseits der Postkartenmotive und Touristenpfade.

Mehr als Hygge: Dänemark zwischen Monarchie und Moderne
Das Königreich Dänemark besteht aus der Halbinsel Jütland sowie über 400 Inseln und ist vor allem bekannt für eine stabile Demokratie, ein hohes Maß an sozialer Sicherheit und die aktive Rolle in internationalen Organisationen.
Das Land mit ca. 5,9 Millionen Einwohner*innen ist eine der ältesten Monarchien Europas und spielte in der skandinavischen Geschichte eine wichtige Rolle. Es handelt sich genau genommen um eine konstitutionelle Monarchie. Es gibt also zum einen Königin Margarethe II. als Staatsoberhaupt und zum anderen die Regierung mit Ministerpräsidentin Mette Frederiksen an der Spitze. Das Parlament – auch Folketing genannt – hat 179 Sitze.
Im Mittelalter war das Land ein bedeutender Machtfaktor in der Geschichte der Nord- und Ostseeregion. Allerdings verlor das Königreich an Einfluss, als es im Laufe des 19. Jahrhunderts wichtige Gebiete wie z.B. Schleswig und Holstein an Preußen verliert. Während des zweiten Weltkriegs ist Dänemark von Deutschland besetzt.
Sozialstaat mit grüner Wirtschaftsvision

Dänemarks Politik und Wirtschaft sind vor allem geprägt von Begriffen wie Konsens, Transparenz und einer aktiven Bürger*innenbeteiligung. Der hohe Lebensstandard – mitsamt staatlich finanziertem Gesundheitswesen und die Bildung – prägen das Land. Der Wohlfahrtsstaat Dänemark basiert auf einem sehr hohen Steueraufkommen, das zur Finanzierung öffentlicher Dienstleitungen verwendet wird.
Wirtschaftlich setzt das Land großen Wert auf eine hoch entwickelte und nachhaltige Marktwirtschaft. Die Stärken liegen im Bereich der erneuerbaren Energien (v.a. Windkraft), Landwirtschaft und auch die Pharmaindustrie. Die wichtigsten Wirtschaftspartner sind neben Großbritannien und den USA großteils EU-Staaten (Deutschland, Schweden und die Niederlande).
Kritik an Dänemarks Migrationspolitik: Zwischen Abschottung und Rechtsstaat
In der Migrationspolitik sorgt Dänemark seit Jahren für Kontroversen – nicht nur innerhalb Europas, sondern auch bei internationalen Menschenrechtsorganisationen. Das Land verfolgt eine besonders restriktive Linie, mit dem erklärten Ziel, möglichst keine Geflüchteten mehr aufzunehmen.
Diese Haltung stößt auf deutliche Kritik: Vor allem humanitäre Organisationen und der UNHCR werfen Dänemark vor, mit seiner Politik grundlegende Prinzipien des Völkerrechts und der Flüchtlingskonvention zu missachten. Insbesondere der Plan, Asylverfahren in Drittstaaten wie Ruanda auszulagern, gilt als Symbol für einen politischen Kurs, der auf Abschreckung statt Schutz setzt.
Dänemark und die Europäische Union
Seit 1973 ist das Land Mitglied der Europäischen Union. Allerdings existieren seither auch mehrere sogenannte „Opt-Out-Klauseln“. Das bedeutet, dass Dänemark z.B. nie den Euro als Währung eingeführt hat und sich auch teilweise beim Thema Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik rausnimmt.
Dänemark gehört aber auch zu den wohlhabenden und wirtschaftlich stabilen Mitgliedstaaten der EU und leisten einen bedeutenden Beitrag zum EU-Haushalt. Trotz seiner geringen Bevölkerungszahl ist das Land ein zuverlässiger Nettobeitragszahler, das heißt: Es zahlt mehr in den EU-Haushalt ein, als es durch EU-Fördermittel zurückerhält. Diese finanzielle Beteiligung zeigt das starke europäische Engagement Dänemarks. Dadurch werden Stabilität und Zusammenhalt in der EU gestützt.

Die EU-Ratspräsidentschaft wechselt alle sechs Monate. Dänemark hatte zuletzt im 2012 die Präsidentschaft inne. 2025 hat bereits Polen in der ersten Jahreshälfte dieses Amt übernommen und übergibt dies am 01. Juli 2025.
Das jeweilige vorsitzende Land nutzt die Präsidentschaft, um seinen Einfluss auf die EU-Politik zu stärken und pragmatische Lösungen für europäische Herausforderungen vorzuschlagen.
Unter dem Leitmotiv „Ein starkes Europa in einer Welt im Wandel“ setzt sich die dänische EU-Ratspräsidentschaft dafür ein, dass Europa mehr Verantwortung für seine eigene Sicherheit übernimmt und gleichzeitig seine wirtschaftliche Stärke weiter ausbaut. Im Zentrum steht dabei der Gedanke, dass die grüne Transformation und die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Hand in Hand gehen müssen.
Vor diesem Hintergrund hat Dänemark ein Präsidentschaftsprogramm entwickelt, das den Fokus klar auf ein sicheres, wettbewerbsfähiges und nachhaltiges Europa legt.
Wissenswertes
Grönland – ein besonderer Fall im Königreich Dänemark
Grönland ist die größte Insel der Welt und ein autonomes Gebiet innerhalb des Königreichs Dänemark. Politisch gehört es zum Königreich, ist allerdings kein Mitglied der EU. Nach einem Referendum im Jahr 1982 entschied sich die Bevölkerung Grönlands aufgrund von Unzufriedenheit mit der Fischereipolitik, den damaligen Vorgänger der EU – die EG (Europäische Gemeinschaft) – zu verlassen.
Dänemark ist dennoch verantwortlich für Außenpolitik, Verteidigung und Sicherheitsfragen der Insel.
Der Fehmarnbelt-Tunnel – ein Schlüsselprojekt zwischen Dänemark und Deutschland
Dieser Tunnel ist ein riesiges Infrastrukturprojekt in Nordeuropa und Symbol für die enge Kooperation zwischen Dänemark und Deutschland. Der geplante Bau soll eine Länge von 18 Kilometern haben und die dänische Insel Lolland mit der deutschen Insel Fehmarn verbinden. Es handelt sich dabei um einen kombinierten Auto- und Eisenbahntunnel unter der Ostsee. Ziel ist es, die Reisezeit zwischen Skandinavien und Mitteleuropa zu verkürzen und so den Personen- und Güterverkehr effizienter zu gestalten.
Das steckt hinter dem Land mit der kleinen Meerjungfrau
Dänemark ist trotz der geringen Größe ein modernes und engagiertes Mitgliedsland der EU. Es leistet nicht nur einen fairen finanziellen Beitrag, sondern zeichnet sich ebenfalls durch wichtige Impulse in Bereichen wie Klima, Digitalisierung und sozialer Gerechtigkeit aus. Durch Projekte wie z.B. den Fehmarnbelt-Tunnel zeigt das Land seine strategische Bedeutung in Europa. Insgesamt gilt Dänemark als verlässlicher Partner und Vorbild für viele EU-Staaten in Bezug auf nachhaltige und zukunftsorientierte Politik.
Teilen:
Weitere Beiträge

8. März: Der Internationale Frauentag 2026 und die EU
Jedes Jahr am 8. März richtet sich der Blick weltweit auf Frauenrechte, Gleichstellung und gesellschaftliche Gerechtigkeit. Der Internationale

Europas Filmfestivals: Zwischen Glamour, Politik und europäischer Kultur
Wenn man an Filmfestivals denkt, erscheinen sofort Bilder von Blitzlichtgewitter, roten Teppichen und internationalen Stars. Doch hinter Glamour

Frauen gestalten Zukunft: von der Gesellschaft bis ins Parlament
Frauen gestalten Zukunft jeden Tag Sie engagieren sich in Familien, Unternehmen und Initiativen. Dennoch sind sie in der

Safer Internet Day
Was ist der Safer Internet Day? Der Safer Internet Day (deutsch: Tag für mehr Internetsicherheit) ist ein Aktionstag,






