
Irland übernimmt das Steuer: Was uns in der zweiten Jahreshälfte 2026 in Europa erwartet
Ab dem 1. Juli 2026 wird die „Grüne Insel“ für sechs Monate zum politischen Mittelpunkt der Europäischen Union. Irland übernimmt turnusgemäß die EU-Ratspräsidentschaft und löst damit Zypern ab. Doch was bedeutet das eigentlich für Irland und für uns in Europa?
Mehr als nur ein Vorsitz: Der „Ehrliche Makler“
Eine Ratspräsidentschaft zu führen, bedeutet weit mehr, als nur Sitzungen zu leiten. Irland wird in dieser Zeit die Rolle des „ehrlichen Maklers“ einnehmen. Das bedeutet, dass nationale Interessen hintenanstehen, um als neutraler Vermittler zwischen den 27 Mitgliedstaaten tragfähige Kompromisse zu finden. Der Erfolg bemisst sich am Ende nicht an der Durchsetzung irischer Ziele, sondern an der Einigkeit und Geschlossenheit des Rates.

Ein kurzer Blick in die Geschichte
Zum Einstieg ein paar allgemeine Fakten: Irland ist eine parlamentarische Republik im Nordwesten Europas mit rund 5,4 Millionen Einwohner*innen. Irland ist die drittgrößte Insel Europas. Die Hauptstadt ist Dublin, Amtssprachen sind Irisch (Gaelige) und Englisch, die Währung ist der Euro. Seit 1973 ist Irland Mitglied der Europäischen Union.
Die Insel ist in zwei Teile geteilt: Die Republik Irland (Éire) als unabhängiger Staat und Nordirland als Teil des Vereinigten Königreichs mit der Hauptstadt Dublin.
Die Geschichte Irlands beginnt nach der letzten Eiszeit, als die Insel ab etwa 8000 v. Chr. erstmals besiedelt wird. Später entstehen Ackerbaukulturen und beeindruckende Bauwerke wie Newgrange. Ab etwa 300 v. Chr. prägen die Kelten Sprache und Kultur der Insel, die nie Teil des Römischen Reiches wird.
Im 5. Jahrhundert wird Irland christianisiert, und Klöster entwickeln sich zu wichtigen Zentren von Bildung und Kultur. Ab etwa 800 n. Chr. kommt es zu Wikingerangriffen, später gründen sie Städte wie Dublin.
1169 beginnt die englisch-normannische Eroberung Irlands, wodurch die Insel zunehmend unter englische Kontrolle gerät. Diese Herrschaft wird in den folgenden Jahrhunderten ausgebaut.
Ein schwerer Einschnitt ist die Große Hungersnot (1845–1849), bei der rund eine Million Menschen sterben und viele auswandern. Im 20. Jahrhundert folgt der Kampf um Unabhängigkeit, der nach dem Osteraufstand 1916 und dem Unabhängigkeitskrieg zur Gründung des Irischen Freistaats 1922 führt. Nordirland bleibt Teil des Vereinigten Königreichs.
1949 wird Irland zur Republik. Ab 1973 ist es Mitglied der EU. Der Nordirlandkonflikt endet weitgehend mit dem Karfreitagsabkommen von 1998.
Heute ist Irland ein moderner EU-Staat mit starker Wirtschaft und ausgeprägter kultureller Identität.
Das Hauptziel dieses Verbunds ist es, Kontinuität in der europäischen Politik zu gewährleisten,. Die drei Länder arbeiten auf der Grundlage eines gemeinsamen 18-Monats-Programms (Trioprogramm), in dem sie ihre strategischen Prioritäten und Themenvorgaben eng aufeinander abstimmen,,. Durch diese enge Kooperation wird sichergestellt, dass langfristige politische Vorhaben über die einzelnen sechsmonatigen Wechsel hinweg konsequent weiterverfolgt werden können – wobei sich die Partnerstaaten bei Bedarf in Sitzungen sogar gegenseitig vertreten.
Starke Partnerschaft im Trio: Irland, Litauen und Griechenland
Irland steht vor dieser großen Aufgabe nicht allein. Gemeinsam mit Litauen und Griechenland bildet es eine sogenannte Triopräsidentschaft (auch Dreiervorsitz genannt),. Dieses Team übernimmt die Verantwortung für einen Zeitraum von insgesamt 18 Monaten: Auf den irischen Vorsitz im zweiten Halbjahr 2026 folgen Litauen im ersten Halbjahr 2027 und Griechenland im zweiten Halbjahr 2027,.
Das Hauptziel dieses Verbunds ist es, Kontinuität in der europäischen Politik zu gewährleisten,. Die drei Länder arbeiten auf der Grundlage eines gemeinsamen 18-Monats-Programms (Trioprogramm), in dem sie ihre strategischen Prioritäten und Themenvorgaben eng aufeinander abstimmen,,. Durch diese enge Kooperation wird sichergestellt, dass langfristige politische Vorhaben über die einzelnen sechsmonatigen Wechsel hinweg konsequent weiterverfolgt werden können – wobei sich die Partnerstaaten bei Bedarf in Sitzungen sogar gegenseitig vertreten.

Was steht auf der Agenda?
Das Programm der irischen EU-Ratspräsidentschaft (Programm der irischen Ratspräsidentschaft) setzt drei große Schwerpunkte: Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit und Werte. Das Programm der irischen EU-Ratspräsidentschaft (Programm der irischen Ratspräsidentschaft) setzt drei große Schwerpunkte: Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit und Werte.
Im Bereich Wettbewerbsfähigkeit will die Präsidentschaft den europäischen Binnenmarkt stärken und weiter vertiefen. Ziel ist es, Bürokratie abzubauen, Innovation und Digitalisierung zu fördern und Unternehmen besseren Zugang zu Kapital zu ermöglichen. Außerdem sollen Energiepreise gesenkt, die industrielle Basis Europas gestärkt und Handelsbeziehungen mit anderen Regionen ausgebaut werden.
Der Schwerpunkt Sicherheit umfasst sowohl äußere als auch innere Sicherheit. Dazu gehören der Ausbau der europäischen Verteidigungsfähigkeit, der Schutz kritischer Infrastruktur und die Stärkung der Cyberabwehr. Auch der Umgang mit Migration, die Bekämpfung hybrider Bedrohungen und die Resilienz gegenüber geopolitischen Krisen spielen eine wichtige Rolle.
Beim Thema Werte betont das Programm die Bedeutung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten innerhalb der Europäische Union. Außerdem steht die Unterstützung der Ukraine im Mittelpunkt, ebenso wie der Einsatz für internationales Recht, Multilateralismus und eine aktive Friedenspolitik.
Darüber hinaus will die Präsidentschaft Fortschritte bei zentralen EU-Dossiers erzielen, etwa beim nächsten EU-Haushalt, bei der EU-Erweiterung sowie bei Fragen der wirtschaftlichen und politischen Stabilität der Union. Insgesamt versteht sich die Präsidentschaft als vermittelnde Kraft zwischen den Mitgliedstaaten, die Gesetzgebungsprozesse voranbringen und die Handlungsfähigkeit der EU stärken soll.
Die Umsetzung dieser Prioritäten erfolgt im Rahmen des Rates der Europäischen Union (Rat der Europäischen Union), in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten.
Die Präsidentschaft wird von Irland übernommen und soll die gemeinsame politische Ausrichtung der EU in einer Phase geopolitischer Unsicherheit und wirtschaftlicher Herausforderungen stärken
Ein irischer Wind in Brüssel
Die irische Ratspräsidentschaft der Europäischen Union zeigt, wie stark Irland heute in die europäische Politik eingebunden ist. Als Mitgliedstaat übernimmt Irland für sechs Monate eine zentrale Rolle im Rat der EU und trägt Verantwortung dafür, Kompromisse zwischen den Mitgliedsländern zu finden und gemeinsame Entscheidungen voranzubringen. Dabei stehen Themen wie Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit und europäische Werte im Mittelpunkt.
Diese Rolle lässt sich gut mit der Geschichte Irlands verbinden. Über viele Jahrhunderte war Irland von Fremdherrschaft geprägt, insbesondere durch die englische Kontrolle. Ereignisse wie die Große Hungersnot im 19. Jahrhundert oder der lange Weg zur Unabhängigkeit haben das Land stark geprägt. Der Kampf um Selbstbestimmung und die spätere Entwicklung zur Republik zeigen, wie wichtig politische Eigenständigkeit für Irland geworden ist.
Heute ist Irland ein stabiles, demokratisches Land und Mitglied der Europäischen Union. Die Übernahme der Ratspräsidentschaft ist daher auch ein Zeichen dafür, wie sich das Land von einer Vergangenheit der Abhängigkeit zu einem aktiven Gestalter europäischer Politik entwickelt hat. So verbindet sich die historische Erfahrung Irlands mit seiner heutigen Rolle als vermittelnder und verantwortungsvoller EU-Mitgliedstaat.
Europas Frieden in Gefahr?
Ich möchte mehr erfahren.
Melden Sie sich an für unseren Veranstaltungsnewsletter
Teilen Sie diesen Beitrag
Mehr Entdecken

Hybride Kriegsführung in Europa: Unsichtbare Angriffe auf unsere Sicherheit
Hybride Kriegsführung verändert Europa Kriege werden heute nicht mehr nur mit Panzern und Soldaten geführt.

Zwischen Ost und West: Das ungelöste Rätsel Transnistrien
Transnistrien – Das letzte Mitglied der Sowjetunion Transnistrien ist ein kleines, international nicht anerkanntes Regime






